|

Bioidentische Hormone in den Wechseljahren: Was wirklich dahintersteckt

StartseiteBlog › Bioidentische Hormone

Bioidentische Hormone in den Wechseljahren: Was wirklich dahintersteckt

von Manuela Mühlberger · Akademie Wissen um Gesundheit · Lesezeit ca. 8 Min.

„Bioidentische Hormone“ klingen natürlich, sanft und sicher – und werden oft als bessere Alternative zur klassischen Hormontherapie beworben. Doch der Begriff wird sehr unterschiedlich verwendet, und einiges an der Vermarktung ist irreführend.

Dieser Beitrag ordnet ehrlich ein, was bioidentische Hormone sind, was am Marketing dran ist und wo Vorsicht geboten ist – damit Du nicht auf Versprechen hereinfällst, sondern klar siehst.

Die kurze Antwort

Bioidentisch“ bedeutet, dass die Hormone in ihrer Struktur den körpereigenen gleichen. Wichtig: Viele Präparate der ganz normalen, geprüften Hormontherapie sind bereits bioidentisch – der Begriff ist also kein Gegensatz zur Schulmedizin. Problematisch sind dagegen individuell in Apotheken gemischte, nicht standardisierte Präparate (oft über Speicheltests verkauft): Sie sind nicht besser geprüft, nicht sicherer und die Dosierung ist unzuverlässig. Der Werbeeindruck „natürlich = harmlos“ ist irreführend – auch bioidentische Hormone sind wirksame Hormone mit denselben grundsätzlichen Wirkungen.

Was „bioidentisch“ wirklich heißt

Der Begriff bedeutet schlicht, dass ein Hormon in seiner chemischen Struktur genau dem entspricht, das der Körper selbst bildet. Das ist zunächst eine neutrale Beschreibung – und tatsächlich sinnvoll, weil solche Hormone im Körper genauso wirken wie die eigenen.

Hier liegt schon das erste, wichtige Missverständnis: Viele Präparate der ganz normalen, zugelassenen Hormontherapie sind bereits bioidentisch. Das gilt zum Beispiel für das heute häufig verwendete Östrogen über die Haut und für bestimmtes bioidentisches Progesteron. „Bioidentisch“ ist also kein Gegensatz zur Schulmedizin – es ist oft genau das, was die moderne, geprüfte HRT ohnehin verwendet.

Wo das Marketing ansetzt

Problematisch wird es bei einer bestimmten Vermarktung. Dabei werden individuell in Apotheken zusammengemischte Hormonpräparate als etwas ganz Besonderes verkauft – als „maßgeschneidert“, „natürlich“ und der klassischen HRT überlegen. Häufig geht das mit einem Speicheltest einher, der angeblich den individuellen Hormonbedarf ermittelt.

Genau hier ist Skepsis angebracht. Diese Darstellung erweckt Eindrücke, die sich fachlich nicht halten lassen.

Kostenloser Kurs

Wechseljahre verstehen

Du möchtest wirklich begreifen, was gerade in Deinem Körper passiert? In sechs kurzen Lektionen bekommst Du genau das – ruhig erklärt, ohne Panikmache, kostenlos.

  • Du bist nicht durcheinander – Dein Körper ist es gerade
  • Wo stehst Du gerade? Die drei Phasen sauber auseinanderhalten
  • Östrogen und Progesteron – warum das Schwanken das eigentliche Thema ist
  • Deine Symptome entschlüsseln: Hitze, Schlaf, Stimmung, Gewicht
  • Drei ehrliche Hebel, die heute schon etwas bewegen
  • Dein nächster Schritt
Kostenlosen Kurs ansehen Sofort verfügbar · im eigenen Tempo · ohne Vorkenntnisse

Die ehrlichen Probleme

Nicht besser geprüft. Individuell gemischte Präparate durchlaufen nicht die strengen Prüfungen zugelassener Medikamente. Man weiß also weniger über ihre genaue Zusammensetzung und Wirkung, nicht mehr.

Unzuverlässige Dosierung. Bei individuell gemischten Zubereitungen schwankt die tatsächlich enthaltene Hormonmenge stärker. Das kann bedeuten, dass man zu wenig oder auch zu viel bekommt – beides ist ungünstig.

Der Speicheltest taugt wenig. Speicheltests zur Bestimmung des Hormonbedarfs gelten als unzuverlässig und wenig aussagekräftig. Eine Therapie darauf aufzubauen, steht auf wackeligem Grund.

Nicht sicherer. Das ist der wichtigste Punkt: Auch bioidentische Hormone sind wirksame Hormone. Sie haben grundsätzlich dieselben Wirkungen – und die grundsätzlich zu bedenkenden Risiken. Der Eindruck, sie seien harmlos, weil „natürlich“, ist ein Trugschluss.

Der Denkfehler „natürlich = harmlos“

Dahinter steckt ein verbreiteter Irrtum, der sich durch viele Gesundheitsthemen zieht: die Gleichsetzung von „natürlich“ mit „ungefährlich“. Ein Hormon wirkt im Körper, egal ob es als bioidentisch beworben oder als klassisches Präparat verordnet wird. Die Wirkung hängt vom Hormon ab, nicht vom Etikett.

Das heißt nicht, dass bioidentische Hormone schlecht wären – im Gegenteil, in ihrer geprüften Form sind sie ein guter Teil der modernen HRT. Es heißt nur: Lass Dich nicht von einem Wort in falsche Sicherheit wiegen.

Was das für Dich bedeutet

Die praktische Botschaft ist einfach. Wenn Du bioidentische Hormone möchtest, ist das ein legitimer Wunsch – und in Form geprüfter, zugelassener Präparate gut umsetzbar. Sprich mit einer Ärztin darüber; sie kann Dir geprüfte bioidentische Optionen verordnen.

Sei aber vorsichtig bei Anbietern, die individuell gemischte Präparate über Speicheltests verkaufen und mit „natürlich und sicher“ werben – oft geht es dabei um ein Geschäftsmodell, nicht um die bessere Behandlung. Gute Medizin braucht keine Angst vor der klassischen HRT zu schüren, um Dir eine teure Alternative zu verkaufen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Bioidentisch“ heißt: strukturgleich mit körpereigenen Hormonen.
  • Viele Präparate der normalen, geprüften HRT sind bereits bioidentisch.
  • Vorsicht bei individuell gemischten, nicht standardisierten Präparaten.
  • Speicheltests zur Hormonbestimmung gelten als unzuverlässig.
  • Bioidentisch bedeutet nicht harmlos – es sind wirksame Hormone.
  • Geprüfte bioidentische Optionen gibt es über die Ärztin.

Häufige Fragen

Sind bioidentische Hormone besser als eine normale HRT?
Das ist ein Missverständnis. Viele Präparate der normalen, geprüften HRT sind bereits bioidentisch. Der Begriff ist kein Gegensatz zur Schulmedizin.
Sind bioidentische Hormone sicherer?
Nein. Auch sie sind wirksame Hormone mit denselben grundsätzlichen Wirkungen und Risiken. Der Eindruck, sie seien harmlos, weil natürlich, ist ein Trugschluss.
Was ist von individuell gemischten Präparaten zu halten?
Vorsicht: Sie sind nicht besser geprüft, die Dosierung schwankt stärker und sie werden oft über wenig aussagekräftige Speicheltests verkauft.
Taugt ein Speicheltest zur Hormonbestimmung?
Er gilt als unzuverlässig und wenig aussagekräftig. Eine Therapie darauf aufzubauen, steht auf wackeligem Grund.
Kann ich trotzdem bioidentische Hormone bekommen?
Ja, in Form geprüfter, zugelassener Präparate – das verordnet Dir eine Ärztin. Das ist ein guter Teil der modernen HRT.
Akademie Wissen um Gesundheit

Verstehen ist der erste Schritt

Im kostenlosen Kurs Wechseljahre verstehen führe ich Dich in sechs Lektionen durch das, was in Deinem Körper gerade geschieht – und durch drei Hebel, die schon heute etwas verändern können.

Jetzt kostenlos starten Kostenlos · sechs kurze Lektionen · im eigenen Tempo
Du möchtest Frauen später beruflich begleiten? Der Kurs zeigt Dir am Ende auch diesen Weg.
Manuela Mühlberger
Manuela Mühlberger
Über die Autorin

Begleitet in der Akademie Wissen um Gesundheit Menschen, die ganzheitliches Gesundheitswissen verstehen und anwenden möchten – mit wenig Theorie und viel Praxis.

Hinweis: Die Informationen in diesem Beitrag beruhen auf allgemein zugänglichem Wissen und dienen der Information und Inspiration. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keine ärztliche oder therapeutische Behandlung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wende Dich bitte an Deine Ärztin oder Deinen Arzt.
Schlagworte: #Wechseljahre

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert